Deutsche Welle Umzug nach Bonn perfekt
Das neue Funkhaus wurde von Bundespräsident Johannes Rau am 27.06.2003 feierlich eingeweiht
Das neue Funkhaus in Bonn Der Umzug der DW-Zentrale von Köln nach Bonn ist angelaufen. Mitte September 2003 wird das neue Funkhaus am Rhein vollständig bezogen sein.
"Hier ist die Deutsche Welle Bonn" – diese akustische Kennung wird ab Juli 2003 rund um die Welt gehen. Bis es so weit ist, werden in den nächsten Monaten 250 Umzugswagen mit fast 10.000 Kubikmetern Ladung zwischen Köln und Bonn unterwegs sein. Es bedarf einer logistischen Meisterleistung, damit die Redaktionen von DW-RADIO und DW-WORLD.DE sowie das Fortbildungszentrum DWFZ in der Bundesstadt ihre Arbeit reibungslos und ohne Unterbrechung fortsetzen können.
Ende gut, alles gut
Für das neue Funkhaus bedeutet der Umzug das gute Ende einer langen, von Skandalen beladenen Geschichte. Anfang 1989 werden die Bauarbeiten für das von Professor Schürmann entworfene, ursprünglich als neues Abgeordnetenhaus geplante Gebäude aufgenommen. Wiedervereinigung und Umzug des Parlaments nach Berlin entziehen dem Bau jedoch den Verwendungszweck noch vor der Fertigstellung. Hinzu kommt Mutter Natur: Im Dezember 1993 wird der Rohbau Opfer des Hochwassers. Das Fundament senkt sich schief ab, die Katastrophe ist perfekt.
In den Folgejahren erlangt das Gebäude traurige Berühmtheit als bekannteste Bauruine Deutschlands, bis sich der Bund schließlich zu einem kostspieligen Sanierungskurs durchringt. Eine erneute Herausforderung auch für den Architekten: Ein Bürohaus muss zu einem technisch komplex ausgerüsteten Funkhaus werden.
Das Ergebnis: Blendendes Weiß, lichtdurchflutete Räume, viel Glas und klare Linienführung ergänzen sich zu einem einheitlichen Bild der Moderne... So urteilt die Presse nahezu einhellig zur Schlüsselübergabe Mitte 2002. "Gartenanlagen, Wasserflächen, Terrassen, der Blick auf den Rhein – das schafft ein Ambiente, in dem es sich gut arbeiten lässt. Es dürfte schwer sein, einen Sender in einer landschaftlich schöneren Szenerie zu finden", freut sich Intendant Erik Bettermann.
Der Gebäudekomplex an der Kurt-Schumacher-Straße besteht aus neun mit Brücken verbundenen Einzelgebäuden mit je drei bis vier Obergeschossen, zwei Erdgeschossebenen, vier Untergeschossen sowie einer so genannten Medientrasse. Die Bruttogeschossfläche: 160.000 Quadratmeter.
Europas modernstes Funkhaus
Für die Hörfunkprogramme sind sieben Sendekomplexe vorgesehen, die jeweils über einen Regieraum, zwei Sprecherräume und einen redaktionellen Vorbereitungsraum verfügen. Die zwei Sprecherräume ermöglichen den reibungslosen Wechsel von einem Programm zum nächsten und bieten zusätzlich die Möglichkeit des "Selbstfahrerbetriebs". Dazu ist jeweils ein Sprecherraum mit einer autarken Regietechnik ausgestattet, die darüber hinaus bei Ausfall der Hauptregie unmittelbar als Havarieebene genutzt werden kann.
Um aufwändigere Beiträge produzieren zu können, stehen neun Produktionsstudios zur Verfügung, von denen eines auch als TV-Studio genutzt werden kann. Gegenüber dem alten Funkhaus mit ursprünglich 45 Studios konnte diese Zahl drastisch reduziert werden. Der Grund: Die Redakteure produzieren einen Großteil der Beiträge heute an Audioworkstations (AWS) selbständig vor. Diese rund 50 AWS sind in akustisch vergleichsweise einfach ausgestatteten Räumen installiert. Zur Nachbearbeitung der Beiträge stehen noch etwa 150 Editierstationen zur Verfügung.
Im gesamten Studiobereich wird digitale Technik eingesetzt. Analoge Bänder gehören – bis auf wenige Ausnahmen – der Vergangenheit an.
Alle internen Signalwege laufen in der rund um die Uhr besetzten Betriebszentrale zusammen: Hier werden die Verbindungen hergestellt zu Korrespondenten, Ü-Wagen, Außenstudios und den anderen ARD-Anstalten. Hier werden die bis zu 30 unterschiedlichen Programme so "aufbereitet", dass sie über die Sendestellen dann via Kurz- und Mittelwellen sowie Satellit in alle Welt gehen können.
Der Umzug der DW nach Bonn ist eine Premiere in Deutschland: Zum ersten Mal zieht ein ganzer Sender bei laufendem Betrieb um. Eine besondere logistische Herausforderung stellt dabei der Umzug der Technik dar: Über 100 Server des Rechenzentrums, die Telekommunikationsanlagen, die AWS und Editierstationen sowie je zwei neue digitale Sende- und Produktionskomplexe müssen von Köln nach Bonn transportiert und dort in Betrieb genommen werden – und zwar so, dass es zu keiner Unterbrechung des Sendebetriebs kommt. Das geht natürlich nur Schritt für Schritt, schon aus Sicherheitsgründen. Außerdem werden die Studios nach und nach fertig gestellt.
Keine Unterbrechung des Sendebetriebs
Voraussetzung für den parallelen Betrieb aus zwei Funkhäusern ist die "Standortkopplung", die seit Februar zur Verfügung steht. Dabei werden für Rundfunktechnik, Datennetze und Kommunikationsanlagen Leitungen von hoher Kapazität und Zuverlässigkeit zwischen Köln und Bonn benötigt. So wird es für den Nutzer keine Rolle spielen, ob sich ein Studio, ein PC, ein Telefon oder ein Server im alten oder im neuen Funkhaus befindet. Während die Programme weiter fleißig produziert werden, ist die Hardware rheinaufwärts unterwegs – und weder Redaktionen noch Hörer und User bemerken es.
Erst wenn der letzte Sendekomplex in Bonn eingeschaltet wird, kann der Parallelbetrieb beendet werden. Das wird im Herbst 2003 der Fall sein.
Die Rundfunktechnik des DW-Funkhaus Bonn auf einen Blick:
- sieben Sendekomplexe mit jeweils einem Regieraum, zwei Sprecherräumen und einem redaktionellenVorbereitungsraum
- neun Produktionsstudios, davon eines auch als TV-Studio nutzbar
- Betriebszentrale für bis zu 30 Sendeleitungen
- 50 Audioworkstations
- 150 Editierstationen
- 40 Satellitenantennen
- Rechenzentrum und Notrechenzentrum mit über 100 Servern

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